Wie erkennt man im Ausland, ob man sich eingelebt hat? Man isst das, was die Einheimischen essen und wartet ab, ob es der Magen verträgt.
Türken sind beim Trinken nicht wählerisch. Sie nehmen genau drei Flüssigkeiten zu sich: Wasser, Tee und Ayran. Wasser gibt es in großen Kanistern zu kaufen und wird im Restaurant meist gratis nachgeschenkt. Wasser aus der Leitung sollte man besser nicht trinken, manchmal kommt es abends auch nicht aus dem Hahn. Dann kann man sich eben nicht duschen. Tee dagegen wird in Restaurants oder Büros wie dem Goethe-Institut in zwei Kannen vorbereitet: In der kleineren Kanne ist konzentrierter Schwarztee, in der größeren heißes Wasser zum Mischen. Ausgeschenkt wird der Tee in Gläschen ohne Henkel und ohne Untersatz. Auf der Straße sitzen also kleine, braun gebrannte Männer mit schwarzem Schnurrbart und halten den kleinen goldbraunen Tee zwischen ihren Händen. Sie sitzen da und lächeln und der Tourist hetzt an ihnen vorbei. Ein schönes Bild.
Ayran schließlich ist eine Art flüssiger Magerjoghurt. Er schmeckt nach nichts, ist aber viel beliebter als ‚sük’, Milch, die es deshalb auch in der Türkei nicht frisch gibt. Ich will ein guter Türke sein und habe drei Tage lang meine Cornflakes mit Ayran gegessen, länger ging es nicht. Ayran liegt jetzt halbvoll im Kühlschrank.
Alkohol wird selten getrunken. Ab heute wird man kaum noch jemanden mit einer Weinflasche sehen, schließlich ist Ramadan und Allah sieht überall hin.
Auch im Essen lassen sich Deutschland und die Türkei schwer vergleichen. Als deutsche Hausfrauen 1961 die ersten türkischen Gastarbeiter am Bahnhof begrüßten, schenkten sie ihnen Würste und Bananen. Doch Schweinswürste konnten die Neuen nicht essen, Bananen kannten sie nicht. Das ist heute anders. Überall in Istanbul kann man Bananen kaufen, Pfirsiche, Pflaumen, Melonen und Trauben. Alles schmeckt besser als in Deutschland. Und der Fisch erst! Am Bosporus verkaufen Einheimische Fast-Food in Form von Fischbrötchen. Erstaunlich, aber man braucht nur ein Stück Weißbrot, einen frischen Bratfisch und ein paar Zwiebelstreifen. Lecker.
Was an der Straße noch gern verkauft wird und aus dem Wasser kommt sind Muscheln. Davon habe ich noch keine probiert. Gut sind die Maiskolben, die es entweder gegrillt oder in Öl gekocht gibt und meist eine türkische Lira kosten (60 Cent). Obst, Fisch, Gemüse also. Doch der Schein trügt. Türken sind Fleischesser. Es gibt Hühnchenfleisch, Kalbfleisch, Rindfleisch und Schafsfleisch, eingelegt in einem Teigmantel (Dürüm) oder in einer Käsesoße, dazu Brot. Gern wird das Fleisch auch mit Kartoffeln kombiniert, auch wenn hier die Phantasie versagt: meist werden die Kartoffeln klein geschnitten und mit den Fleischstücken vermengt, Pommes gibt es nebenan im McDonalds. Nach Kartoffelklößen oder Kartoffelpuffern sollte man hier besser nicht fragen.
Europas Koch-Könige sind die Türken aber nach dem Essen, bei der Nach-Speise. Lecker, diese Karamelreispuddings, die süßen Gelees und das frische Obst!
Ob mein Magen das alles vertragen hat? Nein, das hat er in den ersten Tagen nicht. Mit dem Einleben dauert es. Aber auch wenn ich mit Ayran meine Schwierigkeiten habe: Schweinebraten, Blaukraut und deutsches Bier vermisse ich nicht hier.