„Friedensinstrument per excellence“ Was Hans-Georg Knopp mit dem Goethe-Institut will

By rainerburkard

Hans-Georg Knopp ist Generalsekretär des Goethe-Instituts und ein freundlicher Mensch. Trotzdem attackieren die Medien ihn gern. Kein Wunder, schließlich wird Hans-Georg Knopp manchmal mit Guido Knopp verwechselt. Der ist auch ein freundlicher Mensch und auch er wird gerne von den Medien attackiert. Doch Guido ist präsenter, als Experte für massenkompatible Aufbereitung der Nazizeit ist er ein Liebling des ZDF. Mal ist seine betroffene Stimme zu hören, wenn Hitler seinen Hund füttert, mal wenn Hitler die Hand seiner dritten Sekretärin hält. Die Unterschiede der beiden Knopps werden bei einem Blick ins Internet deutlich: In Guido Knopps Wiki-Eintrag streiten sich die User seit Jahren, ob Knopp ein Historiker oder Hysteriker ist – über Hans-Georg Knopp gibt es in Wikipedia überhaupt keinen Eintrag.

Heute soll dafür Material geliefert werden. Und deshalb geht es in diesem Text mal nicht um Guido Knopp. Als Generalsekretär des Goethe-Instituts ist Hans-Georg der eigentliche Chef, das mit 150 Millionen Euro jährlich vom Außenministerium gefördert wird. Zwar gibt es Jutta Limbach, die Präsidentin, die hat aber vor allem repräsentative Funktionen und wird nächstes Jahr vom Bibliothekar Klaus-Dieter Lehmann abgelöst wird, der bisher Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz war. Und so bekommt immer Hans-Georg Knopp geschimpft wie zum Beispiel letztes Jahr. Da hatte er eine Hausnachricht verschickt, in der er schrieb, das Goethe-Institut sei „nicht zuletzt ein vielgestaltiges Friedensinstrument per excellence“. Sofort wurde Knopp in der Süddeutschen Zeitung vorgeworfen, seine „schrägen Metaphern“ seien nur „ein Dutzend Floskeln“ und der Generalsekretär musste in Interviews erklären, warum er nicht Guido Knopp sei und warum das Friedensinstrument Goethe-Institut nicht mit der Kulturabteilung der Bundeswehr fusioniere und noch kein Massaker zwischen Darfur und den Golanhöhen verhindert habe. Wenn Hans-Georg Knopp versucht, Goethe effektiver zu gestalten und dafür mit McKinsey zusammenarbeitet wie vor ein paar Monaten, dann bekommt er von den Medien erst recht geschimpft.

Wenn Hans-Georg Knopp nicht Guido Knopp ist, was genau ist dann eigentlich das Goethe-Institut? Vor einem Jahr hat er für die Mitarbeiter ein „Leitbild“ des Goethe-Instituts formuliert. Sein Text ist genau eine Seite lang, er trägt die Überschriften: „Unsere Vision“ „Unsere Aufgaben“ und „Unsere Arbeitsweise“ und ruft mit leichter Hand Plattitüden ab wie diese: „Wir, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in aller Welt, stehen für ein offenes Deutschland.“ oder diese: „Über kulturelle und politische Grenzen hinweg bauen wir Brücken. Wir entwickeln die Fähigkeit, Eigen- und Fremdbilder zu hinterfragen und konstruktiv mit kultureller Vielfalt umzugehen.“ Nur ein klein wenig blumiger fasst Knopp die Aufgaben: „Wir fördern und vermitteln die deutsche Sprache als Schlüsselqualifikation für Bildung, Beruf und Verständigung. […] Wir schaffen Zugang zu Wissen und Information über Deutschland. […] Wir fördern weltweit das Verständnis für Europa und entwickeln gemeinsame europäische Perspektiven.“
Der letzte Satz des Leitbilds klingt wie ein Donnerschlag und ist doch bloß eine Tautologie: „Wir leben und arbeiten in Vielfalt und sind zugleich ein Institut: das Goethe-Institut.“

Knopp spricht weder davon, dass das Goethe-Institut ein „Friedensinstrument“ sei, wie noch vier Monate zuvor, noch davon, dass das Goethe-Institut wirklich sein müsse, weder von Goethe noch von Politik ist die Rede. Und obwohl die Bedeutung des Goethe-Instituts in der Geschichte nicht erwähnt wird, könnten die beliebigen Sätze auch in einer Sendung des Historikers Guido Knopp über „Magda Goebbels – Die Gefolgsfrau“ stehen. Bei einem Pfarrer, der einer Gemeinde so seinen Gott anpreisen würde, wären die Gläubigen längst eingeschlafen.
Doch was das Goethe-Institut wirklich tut, darüber wissen wir immer noch nichts. Und deshalb packt ein Praktikant des Instituts aus im nächsten Blog und berichtet von seinen Aufgaben, seinen Arbeitsweisen und seiner Vision.

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